Case Study · Automotive · Getriebe

Schaltgabel-Träger. Von Single-Source-Risiko zum Dual-Sourcing-Standard.

Ein europäischer Tier-1-Zulieferer für PKW-Schaltgetriebe bezog einen funktionskritischen Schaltgabel-Träger aus einer einzigen indischen Quelle. Nach einem Lieferausfall wurde das Teil innerhalb von 14 Wochen in das Ein-Kreditor-Modell überführt — mit zwei redundanten europäischen Produktionsstandorten.

Schaltgabel-Träger aus FN02-Sintermetall

Warum das Teil zum Projekt wurde.

Der Schaltgabel-Träger (FN02, 18,4 g, 1,8 Mio Stück/Jahr) war seit sieben Jahren Single-Source bei einem indischen MIM-Fertiger. Ein ungeplanter Produktionsstopp wegen Energieengpass im Q3 führte zu einem drohenden Bandabriss innerhalb von sechs Wochen.

Der strategische Einkauf des Tier-1 stand vor drei Aufgaben gleichzeitig: kurzfristige Überbrückung, mittelfristige Dual-Source-Einführung und vertragsrechtliche Neuordnung mit möglichst einem Kreditor statt zwei oder drei neuen Stammdaten.

Das Ein-Kreditor-Modell erlaubte, beide neuen Werke unter einer bestehenden Kreditorennummer zu führen — ohne SRM-Onboarding, ohne zusätzliche Audits seitens des Kunden.

Werkstoff
FN02 (MPIF MIM-2200)
Gewicht
18,4 g
Jahresmenge
1,8 Mio Stück
Branche
Automotive · Tier 1
Dauer Projekt
14 Wochen Brief zu PPAP
Ergebnis
Dual Sourced · Produktiv

Was dem Kunden vorgelegt wurde.

Nach zehn Arbeitstagen lag die normierte Matrix auf dem Schreibtisch der Einkaufsleitung. Vier Werke angefragt, drei technisch qualifiziert, zwei zur Freigabe empfohlen.

Werk Region Stückpreis EXW Lieferzeit Serie Freie Kapazität Q-Score Gesamt
Werk A Deutschland · Süd € 0,94 16 Tage 130 % 96 93 / 100 · Primär
Werk C Tschechien € 0,88 20 Tage 180 % 91 89 / 100 · Sekundär
Werk D Polen € 0,86 24 Tage 90 % 82 74 / 100
Werk E Italien € 1,02 28 Tage 40 % 88 62 / 100

Gewichtung: Preis 25 %, Lieferzeit 15 %, Kapazität 15 %, Q-Score 20 %, Audit 10 %, Risiko 10 %, CO₂ 5 %.

14 Wochen. Vom Brief zur Serie.

Ein verkürzter, protokollierter Ablauf. Jeder Schritt war dokumentiert — Kunde, MIM Experts und die beiden Netzwerkwerke hatten jederzeit denselben Informationsstand.

Woche 1–2
Briefing & Machbarkeit
Zeichnungseingang, DfMIM-Review, Machbarkeitsfreigabe an beiden Werken. Erster Richtpreis innerhalb von 18 Stunden.
Woche 3–6
Werkzeug & Muster
Parallele Werkzeugfertigung in beiden Werken. Ausformmuster nach Woche 5 und 6. Messprotokolle normkonform.
Woche 7–10
Bemusterung PPAP 3
Erstmusterprüfberichte, Prozessfähigkeitsuntersuchung, Langlauf-Teile aus je 50.000 Stück.
Woche 11–14
Serienanlauf
Erste Serienlieferung aus Werk A in Woche 12. Werk C parallel produktiv ab Woche 14. Overlap mit Altlieferant.

Was sich für den Kunden geändert hat.

0
Neue Kreditoren
im ERP
2
Redundante
Produktionswerke
−11 %
Stückpreis
vs. Altlieferant
−62 %
Lieferzeit
DE vs. IN
−48 %
CO₂ pro Teil
(Transport)
100 %
PPAP-Level 3
dokumentiert
Wir hatten eine offene Flanke und haben sie in unter vier Monaten geschlossen — ohne ein neues SRM-Verfahren anzustoßen. Das Ein-Kreditor-Modell war für unseren Einkauf der entscheidende Hebel. — HEAD OF STRATEGIC SOURCING · AUTOMOTIVE TIER 1

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