MIM-Werkzeuge kosten zwischen 12.000 und 120.000 Euro. Die Spannweite ist nicht Zufall, sondern Ergebnis konkreter Entscheidungen — Kavitätenzahl, Werkzeugstahl, Heißkanal- versus Kaltkanalsystem, Mehrkomponenten oder Einzelspritzguss. Dieser Beitrag zeigt, wie Sie die Zahlen für Ihren Bauteiltyp realistisch einschätzen.
Der Grundpreis: Einfachkavität
Ein Werkzeug mit einer Kavität für ein Standard-MIM-Bauteil (Gewicht 5–30 g, Standard-Geometrie, keine Hinterschnitte) kostet in Europa typischerweise 12.000 bis 22.000 EUR. Dieser Preis enthält:
- Werkzeugstahl 1.2343 (vorgehärtet) oder gleichwertig
- Angussverteiler mit einem Punktanguss
- Einfache Auswerfergeometrie
- Bemusterungsgarantie für 500 Schuss
Kavitätenzahl — der wichtigste Hebel
Mit der Kavitätenzahl steigen die Werkzeugkosten nicht linear, sondern degressiv. Ein Zweifach-Werkzeug kostet nicht doppelt so viel wie ein Einfach, sondern etwa das 1,5-Fache. Ein 16-fach-Werkzeug nicht das 16-Fache, sondern das 6- bis 8-Fache.
| Kavitäten | Relative Werkzeugkosten | Stückzeit (zu 1-fach) | Typ. Jahresmenge |
|---|---|---|---|
| 1 | 1,0 × (Basis) | 1,0 × | bis 30.000 |
| 2 | ~1,5 × | ~0,55 × | 30k – 100k |
| 4 | ~2,3 × | ~0,30 × | 100k – 400k |
| 8 | ~3,5 × | ~0,18 × | 400k – 1 Mio |
| 16 | ~6,0 × | ~0,11 × | 1 Mio – 3 Mio |
| 32 | ~10 × | ~0,07 × | über 3 Mio |
Die Stückzeit sinkt natürlich nicht proportional zur Kavitätenzahl: Verteilung, Druckaufbau, Kühlzeit bleiben weitgehend konstant. In der Praxis: 16-fach läuft etwa 9-mal schneller als 1-fach, nicht 16-mal.
Familienformen: Ein Werkzeug, mehrere Bauteile
Bei Baugruppen mit mehreren Teilen — etwa zwei Gehäusehälften plus Deckel — kann eine Familienform wirtschaftlich sein. Voraussetzung: Die Teile haben vergleichbares Gewicht und Wandstärke, damit sie sich im Spritz- und Sinterprozess ähnlich verhalten.
Vorteil: Ein einziges Werkzeug, eine einzige Prozessfreigabe. Nachteil: Fehlfertigung oder Verschleiß an einem Kavitätsbereich legt alle Varianten lahm. Für Tier-1-Automotive selten eingesetzt, für Konsumgüter mit > 200k Jahresmenge häufig sinnvoll.
Heißkanal versus Kaltkanal
MIM-Feedstock ist empfindlicher als Standard-Kunststoff: Er enthält Metallpulver, das den Kanal abrasiv belastet. Heißkanalsysteme sind für MIM möglich, aber teurer (Aufschlag 8.000–20.000 EUR) und wartungsintensiver. Einsatzempfehlung:
- Kaltkanal: Bei Losgrößen bis 500.000 Stück/Jahr, Standardwerkstoffe. Angussrest wird recycelt, aber Materialverlust ca. 8–12 %.
- Heißkanal: Ab 500.000 Stück/Jahr, insbesondere bei teuren Werkstoffen (Ti, Inconel). Amortisiert sich über die höhere Materialausnutzung.
Das Amortisationsmodell
Die wichtigste Rechnung ist nicht „was kostet das Werkzeug?", sondern „wann hat sich das Werkzeug über den Stückpreisvorteil bezahlt gemacht?". Die Amortisationsformel für MIM lautet vereinfacht:
Amortisation (Stück) = Werkzeugkosten / (Stückpreis-Differenz)
Bei einem 4-fach-Werkzeug für 45.000 EUR und einer Stückpreisersparnis von 0,35 EUR gegenüber einer 1-fach-Alternative liegt die Amortisation bei etwa 129.000 Stück. Das muss gegen die Jahresmenge verglichen werden — und gegen die voraussichtliche Lebensdauer des Produkts.
Was in unseren Angeboten immer enthalten ist
Wir geben Werkzeugkosten in drei Zeilen aus: Werkzeugherstellung einmalig, Amortisationszuschlag je Stück (falls über Stückpreis verteilt), Wartungsrückstellung (typisch 4–7 % der Werkzeugsumme jährlich). So sehen Sie den Gesamtcashflow, nicht nur den Einstandspreis.
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