K.05 · Werkzeug · 11 min Lesezeit

Werkzeugkosten realistisch kalkulieren. Wann sich Mehrfachkavitäten rechnen, wann Familienformen, und warum das Amortisations­modell wichtiger ist als der Werkzeugpreis.

MIM-Werkzeuge kosten zwischen 12.000 und 120.000 Euro. Die Spannweite ist nicht Zufall, sondern Ergebnis konkreter Entscheidungen — Kavitätenzahl, Werkzeugstahl, Heißkanal- versus Kaltkanalsystem, Mehrkomponenten oder Einzelspritzguss. Dieser Beitrag zeigt, wie Sie die Zahlen für Ihren Bauteiltyp realistisch einschätzen.

Der Grundpreis: Einfachkavität

Ein Werkzeug mit einer Kavität für ein Standard-MIM-Bauteil (Gewicht 5–30 g, Standard-Geometrie, keine Hinterschnitte) kostet in Europa typischerweise 12.000 bis 22.000 EUR. Dieser Preis enthält:

Kavitätenzahl — der wichtigste Hebel

Mit der Kavitätenzahl steigen die Werkzeug­kosten nicht linear, sondern degressiv. Ein Zweifach-Werkzeug kostet nicht doppelt so viel wie ein Einfach, sondern etwa das 1,5-Fache. Ein 16-fach-Werkzeug nicht das 16-Fache, sondern das 6- bis 8-Fache.

KavitätenRelative Werkzeug­kostenStückzeit (zu 1-fach)Typ. Jahresmenge
11,0 × (Basis)1,0 ×bis 30.000
2~1,5 ×~0,55 ×30k – 100k
4~2,3 ×~0,30 ×100k – 400k
8~3,5 ×~0,18 ×400k – 1 Mio
16~6,0 ×~0,11 ×1 Mio – 3 Mio
32~10 ×~0,07 ×über 3 Mio

Die Stückzeit sinkt natürlich nicht proportional zur Kavitätenzahl: Verteilung, Druckaufbau, Kühlzeit bleiben weitgehend konstant. In der Praxis: 16-fach läuft etwa 9-mal schneller als 1-fach, nicht 16-mal.

Familienformen: Ein Werkzeug, mehrere Bauteile

Bei Baugruppen mit mehreren Teilen — etwa zwei Gehäusehälften plus Deckel — kann eine Familienform wirtschaftlich sein. Voraussetzung: Die Teile haben vergleichbares Gewicht und Wandstärke, damit sie sich im Spritz- und Sinterprozess ähnlich verhalten.

Vorteil: Ein einziges Werkzeug, eine einzige Prozessfreigabe. Nachteil: Fehlfertigung oder Verschleiß an einem Kavitätsbereich legt alle Varianten lahm. Für Tier-1-Automotive selten eingesetzt, für Konsumgüter mit > 200k Jahresmenge häufig sinnvoll.

Heißkanal versus Kaltkanal

MIM-Feedstock ist empfindlicher als Standard-Kunststoff: Er enthält Metallpulver, das den Kanal abrasiv belastet. Heißkanalsysteme sind für MIM möglich, aber teurer (Aufschlag 8.000–20.000 EUR) und wartungs­intensiver. Einsatzempfehlung:

Das Amortisationsmodell

Die wichtigste Rechnung ist nicht „was kostet das Werkzeug?", sondern „wann hat sich das Werkzeug über den Stückpreisvorteil bezahlt gemacht?". Die Amortisationsformel für MIM lautet vereinfacht:

Amortisation (Stück) = Werkzeug­kosten / (Stückpreis-Differenz)

Bei einem 4-fach-Werkzeug für 45.000 EUR und einer Stückpreisersparnis von 0,35 EUR gegenüber einer 1-fach-Alternative liegt die Amortisation bei etwa 129.000 Stück. Das muss gegen die Jahresmenge verglichen werden — und gegen die voraussichtliche Lebensdauer des Produkts.

Praxisregel Das Werkzeug sollte sich innerhalb des ersten Serienjahres zu mindestens 70 Prozent amortisieren. Alles andere deutet auf Überdimensionierung hin.

Was in unseren Angeboten immer enthalten ist

Wir geben Werkzeug­kosten in drei Zeilen aus: Werkzeug­herstellung einmalig, Amortisations­zuschlag je Stück (falls über Stückpreis verteilt), Wartungsrückstellung (typisch 4–7 % der Werkzeugsumme jährlich). So sehen Sie den Gesamtcashflow, nicht nur den Einstandspreis.

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