K.01 · Verfahrensvergleich · 14 min Lesezeit

MIM vs. Feinguss vs. Zerspanung. Eine Entscheidungsmatrix für Serien zwischen 10k und 2 Mio Teilen.

Die Wahl des Fertigungsverfahrens entscheidet über 60 bis 80 Prozent der Stückkosten — und wird trotzdem häufig auf Basis historischer Gewohnheit getroffen. Dieser Beitrag zeigt, bei welcher Losgröße, Geometrie und Werkstoffanforderung Metal Injection Molding (MIM) strukturell überlegen ist — und wann nicht.

Die drei Verfahren im Profil

Wir vergleichen hier MIM mit den beiden häufigsten Alternativen für kleine bis mittelgroße Stahl-, Rostfrei- und Titan-Bauteile: Feinguss (Wachsausschmelzverfahren) und spanende Fertigung aus Stangenmaterial.

Kriterium MIM Feinguss Zerspanung
Typ. Gewichtsbereich0,1 – 250 g10 – 50.000 goffen
Rentable Losgröße / Jahr> 20.000> 500< 5.000 (serientypisch)
Geometrie-Komplexitätsehr hochhochmittel
Toleranzklasse Standard±0,3 % Nennmaß±0,5 % NennmaßIT6–IT9
Oberfläche ohne NacharbeitRa 0,8–1,6 µmRa 3,2–6,3 µmRa 0,4–3,2 µm
Materialausnutzung> 97 %~ 90 %30–60 %
Werkzeugkostenhochmittelkeine / niedrig

Wann MIM strukturell gewinnt

MIM ist nicht das universelle Wunderverfahren. Es ist ein sehr guter Serienprozess für kleine, geometrisch komplexe Bauteile. Drei Konstellationen führen fast immer zur MIM-Empfehlung:

  1. Kleines Bauteil, hohe Losgröße — typisch ab 50.000 Stück/Jahr bei Gewichten unter 50 g. Die Werkzeugkosten amortisieren sich, die Stückpreisvorteile gegenüber Zerspanung kommen voll zum Tragen.
  2. Geometrie mit Hinterschnitten, Durchbrüchen, dünnen Wänden — Merkmale, die beim Drehen und Fräsen hohe Rüstzeiten und Spezialwerkzeuge erfordern. MIM bildet sie werkzeugtechnisch einmal ab und reproduziert sie automatisiert.
  3. Werkstoffe, die zerspanungstechnisch teuer sind — austenitische Rostfreie (316L), Titan (Ti-6Al-4V), Nickelbasis (Inconel). Die Schneidwerkzeug-Kosten in der Zerspanung explodieren, während MIM-Feedstock nur moderat teurer wird.
Break-Even-Beispiel Ein komplexes Edelstahlteil (316L, 24 g, Hinterschnitte) kostet zerspanend zwischen 4,20 € und 5,80 € pro Stück. MIM liegt bei 2,60 € bis 3,10 € — plus einmalige Werkzeugkosten von ca. 28.000 €. Der Break-Even liegt bei rund 18.000 Stück pro Jahr. Darüber rechnet sich MIM, darunter die Zerspanung.

Wann MIM das falsche Verfahren ist

Es gibt klare Kontraindikationen. Wir kommunizieren sie aktiv — denn ein falsches Verfahren ist teurer als ein verlorener Auftrag.

Feinguss vs. MIM — die Abgrenzung

Feinguss und MIM werden häufig als konkurrierende Verfahren wahrgenommen. In der Praxis überlappen sie sich nur begrenzt: Feinguss dominiert ab Gewichten über 100 g, MIM darunter. Im Zwischenbereich entscheidet die Geometrie.

Wesentliche Unterschiede:

Die Entscheidungsmatrix in drei Fragen

Wenn Sie noch unsicher sind, ob Ihr Bauteil MIM-tauglich ist, helfen drei Fragen:

  1. Wiegt es zwischen 1 g und 200 g? Wenn ja → MIM wird grundsätzlich möglich.
  2. Werden Sie mehr als 20.000 Stück pro Jahr abnehmen? Wenn ja → MIM rechnet sich in den meisten Fällen.
  3. Hat das Bauteil Hinterschnitte, Durchbrüche oder dünne Wände? Wenn ja → MIM wird fast immer die kostengünstigste Lösung sein.

Wenn Sie zweimal oder öfter „ja" geantwortet haben, lohnt sich eine konkrete Machbarkeitsprüfung. Das dauert bei uns maximal 24 Stunden.

Praxis-Hinweis Wir führen für etwa 30 % der Anfragen keine MIM-Empfehlung aus — weil Stückzahl, Gewicht oder Geometrie nicht passen. In diesen Fällen empfehlen wir das passende Verfahren und den geeigneten Lieferanten. Sie können bei uns gerne eine offene Zweitmeinung einholen, auch wenn das Ergebnis lautet: bleiben Sie bei der Zerspanung.

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