R.02 · Case Study · Medizintechnik · Chirurgie

Endoskopie-Klemme. Von der Zerspanung zur MIM-Serie bei 90k Stück / Jahr.

Reales Kundenprojekt, anonymisiert veröffentlicht — zur Herkunft der Kennzahlen siehe Methodik.

Zerlegte Endoskopie-Klemme aus 316L mit AMS-2700-Passivierung

Warum das Teil zum Projekt wurde.

Ein Hersteller minimalinvasiver chirurgischer Instrumente produzierte die Klemme bisher aus Stangenmaterial — Mehrspindel-Drehautomat, eine Aufspannung, 14 Sekunden Taktzeit pro Stück. Bei 240.000 Stück Jahresbedarf — davon 90.000 Stück über MIM.Experts — war der Verfahrenswechsel zu MIM seit Jahren ein offenes Thema, aber niemand hatte die Konstruktions­freigabe durchgezogen.

Auslöser war eine Preiserhöhung des Rohmaterial­lieferanten und die gleichzeitige Anforderung, die Passivierungs­qualität nach AMS 2700 zu zertifizieren. Beides zusammen machte die Zerspanung nicht mehr darstellbar.

Die Herausforderung im MIM: sinterreaktive Oberfläche ohne mechanische Nachbearbeitung und eine Entgratkante mit Radius R0,1 an der Klemmenschneide.

Werkstoff
316L (ASTM F138)
Gewicht
3,8 g
Abruf pro Jahr
90.000 von 240.000 Stück
Branche
Medizintechnik · Single-Use
Dauer Projekt
14 Wochen bis Erstmuster · 30 bis PPAP
Ergebnis
Produktiv · Stückkosten −38 %

Wie die Quelle gewählt wurde.

Vier Werke wurden angefragt, zwei gemeinsam freigegeben: ein Primärwerk in Österreich, ein Sekundärwerk in Deutschland. Das günstigste Angebot kam aus Polen — freigegeben wurde es nicht.

Bewertet wurde nach der normierten Entscheidungsmatrix — Stückpreis, Lieferzeit Serie, freie Kapazität, Qualitätsindex, Audit-Status, Risikoklasse und CO₂ pro Teil, jeweils gewichtet. Die Einzelbewertungen der Werke veröffentlichen wir nicht. Sie enthalten Kapazitäts- und Qualitätsdaten unserer Fertigungspartner und liessen Rückschlüsse auf die Beschaffungsentscheidung des Kunden zu. Ihre eigene Matrix erhalten Sie mit dem Angebot — vertraulich, wie im NDA vereinbart.

Kriterien und Gewichtungen im Detail  ·  Richtpreiskalkulator

Vom Brief zur Serie. Dokumentiert.

Jeder Schritt war protokolliert — Kunde, MIM Experts und die beiden Netzwerkwerke hatten jederzeit denselben Informationsstand. Die Zeitachse enthält Werkzeugbau, Abmusterung mit Schwindungskorrektur, PPAP und die Freigabeschleifen des Kunden. Der Werkzeugbau ist dabei mit Abstand der längste Einzelposten — er bestimmt, wann eine MIM-Serie anlaufen kann.

Woche 1–4
DfMIM-Review
Klemmengeometrie wurde konstruktiv angepasst: R0,1 an der Schneide durch R0,3 ersetzt, Hinterschnitt entfernt, Toleranz­paket auf funktionskritische Flächen reduziert.
Woche 5–16
Werkzeug & Muster
Zweifach-Werkzeug in Werk B, Ausformmuster Woche 14. Sinter­validierung in H₂-Atmosphäre.
Woche 17–26
PPAP 3 & Validation
Vollständige Typprüfung nach ISO 13485. 5.000 Stück Validierungsmenge, biokompatibilitäts­geprüft nach ISO 10993.
Woche 27–30
Serienanlauf
Anlauf mit 7.500 Stück/Monat, Steigerung auf Vollserie. Werk A parallel qualifiziert als Sekundärquelle.

Was sich für den Kunden geändert hat.

−38 %
Stückkosten
vs. Zerspanung
2
Redundante
Produktionswerke
Cpk 1,67
Prozess­fähigkeit
kritische Maße
0
Reklamationen
12 Monate
AMS 2700
Passivierung
zertifiziert
ISO 13485
Erfüllt
netzwerkweit
Der Hebel liegt hier nicht im Stückpreis allein, sondern in der Kombination aus Verfahrenswechsel und zertifizierter Passivierung. Wer beides getrennt verhandelt, verliert einen Teil des Vorteils. — Einordnung · MIM.Experts Engineering
Methodik & Annahmen

Bauteil, Werkstoff, Gewicht, Jahresmenge und Projektanlass stammen aus einem abgewickelten Kundenprojekt, veröffentlicht mit Zustimmung des Kunden. Kundenname, Artikelnummer und Preise nennen wir nicht. Die kaufmännischen Kennzahlen dieses Beispiels — Einsparung, Kostenanteile, Preisverhältnis der Standorte — sind nachgerechnet und nicht aus der Projektakte übernommen. Modell: Feedstock-Kosten nach Werkstoff, geometriebasierte Zykluszeit über die Kavitätenzahl, Sinteranteil nach Bauteilgewicht, Nacharbeit und Prüfung nach Anforderungsprofil. Maschinenstundensatz 85 €/h, Ausbeute 92 %, Overhead und Marge 35 %.

Standortbewertung, Q-Score und freie Kapazität sind bauteil- und zeitpunktbezogen und werden je Anfrage neu erhoben — dasselbe Werk kann in zwei Projekten unterschiedlich bewertet sein. Verbindlich ist ausschließlich ein Angebot nach Bauteilanalyse. Zum Richtpreiskalkulator

Haben Sie eine ähnliche Ausgangslage?

Engpass, Lieferantenausfall oder geplante Rückverlagerung — unser Engineering und unser Einkaufsteam beurteilen Ihr Bauteil in einem ersten Gespräch und skizzieren den Projektplan.